Auf den ersten Auftrag freue ich mich schon das ganze Wochenende. Es geht nach Schwelm. Hier, in dieser Firma, habe ich vor vielen Jahren die Feile geschwungen und meine Lehre gemacht.
Vor Ort gehe ich erstmal zu meiner ehemaligen Lehrwerkstatt. Die Gebäude stehen noch, aber ausgebildet wird hier schon lange nicht mehr.
Auf dem Hof der Firma haben zwei Kräne die erste der zwei zu transportierenden Maschinen auf einen LKW gestellt. Mit Sorge stellt der LKW-Fahrer fest, dass sein LKW 18 Tonnen auf der Antriebsachse anzeigt. Bei erlaubten 12 Tonnen ist das viel zu viel. Die Ladung scheint viel schwerer zu sein, als man erwartet hatte. Wie das passieren konnte, kann ich als außenstehender nicht wissen. Aber derart überladen fahren die Fahrer nicht vom Hof. Es muss eine vierachsige Zugmaschine her und ein größerer Trailer. Zudem wird eine neue, passende Genehmigung benötigt, die benötigt locker zwei Wochen.
Ich kann also unverrichteter Dinge wieder nach Hause fahren. Was recht schnell geht, denn mit gerade einmal 20 Minuten war das heute meine bisher kürzeste Anfahrt.
Zuhause baue ich mir einen Halter für mein Tablet. Am Sonntag hatte ich mir bereits Gedanken dazu gemacht und Vorbereitungen getroffen. Dass ich die am Montag schon umsetzen kann, war natürlich nicht geplant. Ich bin bis zum Abend auch fertig geworden und konnte am Dienstag bereits zwei Handys darauf ablegen und während der Fahrt im Auge halten (eines für den Track, das andere für den Live-Standort).
Am Dienstag soll ich bei Hannover als BF2 bei einer Umfahrung unterstützen.
BF2 ist nicht ohne. Ich fahre voraus und muss den Weg kennen.
Die Strecke ist nur 16 km lang. Ich sehe sie mir auf Google Maps an und erstelle mir auf Openstreetmap einen Track.
Vor Ort angekommen, fahre ich die Strecke einmal ab. Zum einen möchte ich sie mir einprägen. Zudem achte ich auf Befahrbarkeit und eventuelle Hindernisse, die uns Schwierigkeiten machen könnten. Dazu zählen z. B. niedrig hängende Ampeln (da muss der LKW dann einen Bogen drum fahren) oder Oberleitungen.
Von der BF3 Begleiterin des Transports bekomme ich ihren Live-Standort. Ich sehe also, wo der LKW gerade ist und wann er bei der Abfahrt ankommt, an der ich warte.
Ich sehe auch, dass er an der Abfahrt vorbei fährt. Er macht die Umfahrung nicht, sondern fährt weiter auf der Autobahn.
Hat er die Änderung der Genehmigung nicht mitbekommen? Oder ignoriert er sie? Ich habe auf dem Hinweg von der Gegenfahrbahn der Autobahn auch nichts gesehen, was umfahren werden muss. Man sagt, dass dort Brückenarbeiten kommen, welche die Durchfahrhöhe einschränken.
Nachdem ich gestern bereits keinen LKW begleiten konnte, ereilt mich heute dieses Schicksal also schon wieder.
Am Nachmittag gehe ich von meinem Parkplatz aus den Mittelland-Kanal entlang und durch den Wald wieder zurück zum Auto.
Nach dem Abendbrot fahre ich nach Hamburg, wo morgen mein nächster Auftrag startet. Ich tausche für die Nacht meinen schönen Stellplatz im Wald gegen einen großen, belebten Parkplatz mitten in der Stadt. Aber meine nächste Tour wird 450 km lang und ich will nicht direkt vorher 150 km anfahren.

Ich schlafe gut. Um 7:30 Uhr frühstücke ich und krieche dann nochmal unter meine Decke. Das wird mir später leid tun, aber erstmal ist es schön kuschelig.
Vor meiner nächsten Tour will ich noch etwas an die frische Luft und durch Hamburg Bergedorf schlendern. Der Teil von Hamburg ist schöner, als ich erwartet hatte.
Die dort 1831 erbaute Windmühle lieferte gemahlene Baumrinde zur Gewinnung von Gerbsäure. Erst Jahrzehnte später wurde sie zum Mahlen von Getreide genutzt.
Gerne hätte ich noch in die eine oder andere Seitenstraße geschaut, aber jetzt läuft mir die Zeit weg.

Für 12 Uhr ist der Transport terminiert. Um 11 Uhr fahre ich pünktlich auf das Firmengelände. Das zu transportierende Kühlhaus steht bereits auf dem LKW. Zu meiner Überraschung ist diesmal eine Zugmaschine mit eigenem Ladekran im Einsatz. Eine Sonderanfertigung, die es so nur einmal gibt und auf die der Fahrer sehr stolz ist. Bisher wurden bei meinen Transporten die Kühl-Container immer von einem Mobilkran bewegt.
Nachdem der Fahrer alles befestigt und gesichert hat, fahren wir um 11:30 Uhr los. Die vorgezogene Zeit werden wir später in einem Stau wieder verlieren, aber im großen und ganzen fährt es sich heute gut.

Die Sperrzeit von 16 bis 19 Uhr verbringen wir auf dem Rasthof Münsterland. Nach dem Essen gehe ich hinten aus dem Rasthof hinaus und spaziere am Feld und Wald vorbei.
Die zweite Etappe läuft sehr gut, es ist nicht viel Verkehr. Um 21:15 Uhr erreichen wir das Ziel.
Für die Nacht steuere ich einen Parkplatz an einem abgelegenen, ruhigen Friedhof an. Dort schlafe ich bis 8:30 Uhr aus. Nach dem Frühstück wandere ich ans Rheinufer. Vom Auto aus laufe ich 20 Minuten durch die Felder bis zum Rhein. Dann laufe ich bei goldenem Herbstwetter das Rheinufer entlang und bin nach 3 Stunden wieder am Auto.

Danach gibt es Linseneintopf mit Brathering. Das hat in unserer Familie lange Tradition. Bereits als ich noch Kind war, holte mein Vater zum Linseneintopf immer einen Brathering auf den Tisch. Yummy.
Am nächsten Vormittag bin ich in den hinter meinem Parkplatz liegenden Wald der Zonser Heide gegangen. Hier gibt es zwei ausgewiesene Laufstrecken und einen Trim-Dich-Pfad.
Nach dem Mittag fahre ich an die Niederländische Grenze. Zwei LKWs müssen am Freitag-Abend nach Hamburg begleitet werden. Meiner fährt in der selben Nacht auch wieder zurück. Das verspricht eine lange Nacht zu werden.
Um 20 Uhr geht es los. Der Hinweg läuft erstmal sehr gut. Obwohl Freitag ist, die Herbstferien beginnen und es regnet, ist der Verkehr verhältnismäßig gering. Hinter uns sehe ich eine lange Lichterkette, aber es gibt immer wieder dreispurige Abschnitte, wo überholt werden kann.
Kurz vor Mitternacht erreichen wir das Airbus-Werk. Mein Fahrer sagt, er will 45 Minuten Pause machen, dann tanken und in einer Stunde fahren wir zurück. Vor allem, dass er noch tanken will, gefällt mir. Seine und meine Tankstelle sind nebeneinander, dann muss ich in meiner kostbaren Pausenzeit nicht extra zur Tankstelle fahren.
Nach 45 Minuten tut sich nichts. Auch nach 90 Minuten tut sich nichts. Leider ist das hier fast schon die Regel. Ich texte ihn an, er antwortet „15 Minuten“.
Aus den 15 werden 30, aber es geht endlich los.
Am Abzweig zur Tankstelle fährt er vorbei. „Wolltest du nicht noch tanken“, frage ich. Er brummelt etwas ins Funkgerät und schon sind wir auf der Autobahn.
Das Problem: mit dem, was ich noch im Tank habe, werde ich die Niederländische Grenze nicht erreichen.
Aber das Problem löse ich später, noch ist Sprit da. Ich klappe das Verkehrsschild auf dem Dach ein, wann immer es nicht gebraucht wird. Das spart schon eine Menge Kraftstoff.
Auf halbem Weg müssen wir über Land- und Bundesstraße eine Autobahnbaustelle umfahren. Das ist die Umfahrung, auf die ich mich am Dienstag bereits als BF2 vorbereitet hatte.
Ich frage meinen Fahrer über Funk, ob er diese Umfahrung machen will. Von der Umfahrung hat er wohl noch nicht gehört. Auch auf Grund der Sprachbarriere (wir reden englisch miteinander) versteht er nicht, wovon ich rede.
Er fährt auf den nächsten Parkplatz und ich erkläre ihm die Situation. Ich bin ja perfekt vorbereitet, meine Unterlagen liegen noch auf dem Beifahrersitz. Anhand einer ausgedruckten Karte zeige ich ihm den Verlauf der Umfahrung. Dass dort ein Kollege von mir wartet und vorweg fährt, hat ihn endgültig überzeugt, die Umfahrung zu nehmen.
Das hat dann auch reibungslos geklappt. Auf der Umfahrung ist eine geöffnete Tankstelle, da kann ich rasch ranfahren. Aber aus der Säule kommt nichts. Inzwischen ist 4 Uhr nachts. Ich laufe in den Shop und bitte den Verkäufer, die Säule freizuschalten. „Die sind nicht gesperrt, an welcher Säule stehen sie denn?“. An Säule 10, antworte ich. „Die 10 ist kaputt, ich soll eine andere nehmen“.
Natürlich ist die 10 kaputt! Ich hab ja auch alle Zeit der Welt! Wir stehen ja nur mit einem Schwertransport vor der Tankstelle!
Ich fülle schnell 20 Liter auf und laufe wieder in den Shop. Ich hätte auch in Ruhe vollmachen können, denn nun stehen 2 Leute vor mir an der Kasse. Wo kommen die plötzlich her? Um 4 Uhr in der Nacht! Wollt ihr mich verarschen?
Und wenn man in Eile ist, scheint sich der Rest um einen herum im Schneckentempo zu bewegen.
Der weitere Verlauf der Tour verläuft ohne Auffälligkeiten. Gegen Ende kämpfe ich gegen die Müdigkeit, nach 9 Stunden nicht ganz verwunderlich.
Nach 6 Uhr darf der Schwertransport nicht mehr fahren. Das schaffen wir nicht ganz, liegen leicht drüber. Wir sind aber auch nicht der letzte Schwertransport, der vor dem Wochenende jetzt sein Ziel noch erreichen will oder muss.
An der Grenze stelle ich mich für ein Nickerchen auf niederländischer Seite auf einen Mitfahrer-Parkplatz. Ich verspreche mir dort mehr Ruhe als auf den Autobahnparkplätzen, denn LKWs dürfen dort nicht stehen.
Schlafen kann ich gut, aber nur 2,5 Stunden. Um 9:30 Uhr will mein Körper aufstehen. Ich bin dann auch nicht mehr müde.
Und weil ich bereits in Holland bin, fahre ich nach dem Frühstück beim nächsten Aldi vorbei und stocke meine Vorräte an holländischen Spezialitäten auf.
