KW 43: Marktredwitz und Frankenthal

Montag kann ich ausspannen. Ich habe einen großen Blumenkohl. Daraus koche ich 5 Portionen: eine für heute, eine zum mitnehmen für morgen und drei friere ich ein. Die eingefrorenen kann ich dann in den nächsten Wochen mitnehmen. Für die ersten zwei Tage einer Tour nehme ich in der Regel selbstgekochtes mit und in der zweiten Wochenhälfte öffne ich eine Konserve.

Am Dienstag geht es dann 600 km mit einem mobilen Kühlhaus quer durch die Republik nach Bayern.
Wir starten 11:30 Uhr, fahren 4 ½ Stunden, machen in der Sperrzeit von 16 bis 19 Uhr Pause und fahren dann 4 Stunden bis zum Ziel. Das passt ganz gut.

Unsere Pause machen wir auf dem Rasthof Spessart. Dort hat vor einer Weile die Tankstelle gebrannt. Ein PKW-Fahrer stellte auf der Autobahn fest, dass Qualm aus seinem Fahrzeug kam. Daraufhin ist er von der Autobahn abgefahren. Was nicht dumm ist.
Er ist dann allerdings in die Tankstelle gefahren. Was nicht schlau ist.
Kurz darauf brannte die Tankstelle. Offensichtlich wurde bisher wohl noch nichts repariert. Das Dach ist schwarz, eine Säule total verbrannt.

An der Autobahnabfahrt zur Bundesstraße bekommen wir lokale BF4 Unterstützung. Mit denen sind wir um 22 Uhr verabredet. Weil wir gut in der Zeit sind, fahren wir eine Abfahrt vorher für 10 Minuten auf einen Abstell-Streifen.
Zwei fröhliche Damen begleiten uns dann abseits der Autobahn bis zum Ziel und sichern den Transport nach vorne. Das klappt gut, es ist um 22 Uhr auch nicht mehr viel Verkehr.
Das Tor zum Firmengelände ist zu. Den LKW stellen wir vor der Firma quer auf die PKW-Parkplätze.
Ich fahre die Straße noch ein Stückchen weiter, dort ist ein kleiner, befestigter Wanderparkplatz.

Draußen sind 5 °C. Damit die auch draußen bleiben, werfe ich über Nacht die Standheizung an.

Ich bin heute 600 km gefahren, mit aufgestellter WVZ, also dem Verkehrszeichen auf dem Dach. Das schafft das Auto meiner Erfahrung nach mit einer Tankfüllung ohne Probleme. Mir wird eine Restreichweite von 100 km angezeigt. Ich bin mir relativ sicher, dass noch 5 bis 10 Liter im Tank sind.
Meine KI meint, dass die Standheizung in dieser Übergangszeit 1 bis 2 Liter pro Nacht verbraucht. Also alles im grünen Bereich.
Die örtliche Tankstelle hat nämlich um 23 Uhr bereits geschlossen.

Am Morgen zeigt die Standheizung ein etwas ungewöhnliches Verhalten und schaltet sich dann selbstständig ab. Sollte eine meiner Annahmen falsch sein und sie hat mir doch über Nacht den Tank leer gezogen?

Nein, hat sie nicht. Der Bordcomputer zeigt eine Restreichweite von 80 km. Ich habe knapp 67 Liter Diesel getankt, es waren also noch rund 8 Liter in dem 75-Liter Behälter drin. Ich lag mit meinen Annahmen also ziemlich gut.
Bei meiner Heizung dagegen beobachte ich später, dass sie bei niedriger Batterie-Spannung nicht zündet. Beim Starten braucht sie rund 100 Watt. Bei laufendem Motor startet die Heizung gut.

Frisch getankt fahre ich im Schmuddelwetter 2 Stunden nach Geiselwind. Dort wartet heute Abend wieder ein Transport, der nach Montabaur begleitet werden will. Da es den ganzen Tag regnet, verbringe ich den Nachmittag am Rechner.

Diese Tour fahre ich heute zum vierten Mal. Jedes Mal mit einem anderen Fahrer und mit jedem Fahrer ist der Start ein anderer. Heute kontaktet mich der Fahrer frühzeitig und möchte sich auf der Autobahn an der Anschlussstelle treffen.
Ich stelle mich also zeitig an die Auffahrt, dort gibt es eine kleine Schotterfläche, wo ich gut stehen kann. Fünf Kilometer, bevor er die Anschlussstelle erreicht, schickt er eine Nachricht. An der Auffahrt angekommen, meldet er sich über Funk. Natürlich kommen gerade in dem Moment einige Fahrzeuge an mir vorbei, sodass ich erst etwas verzögert loskomme. Aber ich habe den LKW auf der Autobahn schnell eingeholt und wir fahren gemeinsam recht zügig nach Montabaur. Eigentlich will er dort Pause machen. Da er aber gut in der Zeit ist, will er noch bis zum nächsten Parkplatz fahren.
Mein Auftrag endet hier und ich fahre ab. Die Tour endet, wie sie begann und ich habe den eigentlich recht freundlichen Fahrer nicht zu Gesicht bekommen.

Ich fahre wieder auf meinen bewährten, ruhigen Wald-Parkplatz, gehe ins Bett und schlafe gut bis in den Morgen.
Am Nachmittag wandere ich zum Köppelturm. Nachdem ich gestern in Geiselwind wegen des Regens nicht raus gekommen bin, gibt es heute keine Ausrede. Das hiesige Forstgebiet im Westerwald hat befestigte Wege, die ich auch nach Regen hervorragend laufen kann. Als ich losgehe, sehe ich in der Ferne den auf dem höchsten Punkt stehenden Turm und sage mir: da gehe ich doch heute mal hin.

Auf dem Weg dorthin habe ich einige schöne Aussichten, auch wenn das Wetter dafür nicht das beste ist. Auf den Turm selbst komme ich nicht. Am Fuße ist ein kleines Gasthaus, auch da ist an diesem herbstlichen Donnerstag-Nachmittag nichts los.

Danach fahre ich nach Frankenthal. Dort wartet eine 4 m breite Holzkiste darauf, nach Venlo begleitet zu werden.
Vor der Abfahrt lege ich mich für zwei Stunden hin. Der nette Fahrer unterhält sich gerne in englisch mit mir.

Bis zur Autobahn haben wir keine großen Probleme, auch die Kreisverkehre lassen sich gut fahren.
Auf der Autobahn wartet eine einspurige Baustelle auf uns. Da passt der Transport mit etwa 30 cm Luft auf jeder Seite durch. Links ist die Mittelleitplanke, rechts wird die Fahrspur durch klappbare Baken begrenzt. Von den Baken klappen wir ein halbes Dutzend um. Ich kann leider nicht vor den Transport schauen, sondern sehe eine umgelegte Bake leider immer erst, wenn sie bereits liegt. Sonst könnte ich schneller eingreifen.
Nun kommen wir an Montabaur vorbei. Von hier bin ich heute Nachmittag gestartet. So schließt sich der Kreis.

Auf dem Rasthof Peppenhofen machen wir die obligatorische 45 Minuten Pause. Der Platz ist um diese Zeit natürlich zugeparkt. Bei der Ausfahrt stehen die LKWs so eng, dass ich den Fahrer mit meinem Handfunkgerät durchlotsen muss. Trotzdem müssen wir einen Fahrer wecken, damit er etwas weiter an den Rand fährt. Vier Meter ist halt doch um einiges breiter, als ein üblicher LKW.

Der restliche Teil der Strecke bis zur Niederländischen Grenze verläuft ohne weitere Vorkommnisse.
Bei Venlo verabschiede ich mich über Funk vom Fahrer, drehe um und fahre wieder ins Nettetal.

Als ich von der Autobahn abfahre, ist da eine große Tankstelle. Ich bin zwar noch halbvoll, muss nicht tanken, will eigentlich ins Bett. Aber wenn ich schon davor stehe, dann kann ich das direkt erledigen.
Allerdings hält das Leben noch einen kleinen Spaß für mich bereit. Auf meinen Bezahlvorgang mit der Flottenkarte antwortet das Terminal mit „Systemfehler“. Wir probieren das noch zweimal bis der Kassierer feststellt, dass es wohl nicht an meiner Karte liegt. Er telefoniert und startet daraufhin im Hinterzimmer die Internetverbindung neu.
Die Säulen sind nun alle gesperrt, Tankwillige werden weggeschickt. Ich wundere mich, was nachts um 4 Uhr hier los ist. Der freundliche Verkäufer sagt mir, dass das gerade jetzt die Zeit ist, wo es richtig los geht.
Wäre ich doch nur ein paar Minuten später gekommen, dann wäre ich auch weggeschickt worden. So sitze ich erstmal fest.
Nach einer ganzen Weile funktioniert das bargeldlose Zahlen wieder und ich kann meinen Schlafplatz ansteuern.

Nach dem Frühstück starte ich ins Wochenende. Auf dem Parkplatz im Nettetal scheint die Sonne durch die Bäume, ein Vogel singt. Eigentlich hätte ich Lust, noch etwas zu bleiben. Aber zuhause muss einiges weggearbeitet werden…

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