Am Montag starten wir um 9 Uhr an der Niederländischen Grenze für 700 km bis kurz vor die Tschechische Grenze. Weil ich jetzt nicht so unbedingt der Frühaufsteher bin und mir die Stunde Anfahrt vor den 700 Kilometern sparen will, fahre ich bereits Sonntag Abend ins Nettetal und übernachte dort.
Beim Frühstück nehme ich Kontakt mit meinem Fahrer auf. Er steht auf einem mir bereits bekannten Parkplatz bei Venlo, dahin brauche ich 7 Minuten.
Etwas überrascht bin ich, dass dort zwei LKWs stehen. Ein großer, mit 4,10 m Breite und ein kleinerer. Es ist so ein Transport, wie mein allererster nach Gera. Eine Laser-Bearbeitungsmaschine. Mit beiden Fahrern bin ich bereits gefahren.

So ganz einfach fährt es sich heute nicht. Zum einen sind 4,10 m relativ breit, zum anderen herrscht am Tag eine ziemliche Verkehrsdichte. Meist müssen wir zweispurig fahren. Beschränken wir uns nur auf den rechten Fahrstreifen, so muss der Standstreifen frei sein. Wir fahren dort zwar nicht, brauchen aber den Raum, wenn es zu den Überholern mal knapp wird. Steht auf dem Standstreifen ein Hindernis, so muss ich die Überholspur frei halten. Mich lässt jedoch niemand raus, jeder will noch unbedingt vor den Schwertransport. Was am Ende dazu führt, dass wir dauerhaft beide Fahrspuren belegen müssen.
Bei weniger Verkehr funktioniert das besser, da finde ich leichter eine Lücke.
Zu einer Baustelle vor uns gibt es uneinheitliche Angaben der möglichen Durchfahrbreite. Dort warten wir auf einem Parkplatz, der kleinere LKW fährt voraus und stellt fest, dass der große dort nicht durchpasst. Für den gibt es eine Umfahrung der Baustelle, die wir dann nehmen.
Für die komplette Strecke reicht die Fahrzeit der LKW-Fahrer nicht. Wir übernachten auf einem Autobahn-Parkplatz, auf dem wir sogar Platz auf der Schwerlastspur finden.
Um 4:30 Uhr brechen wir wieder auf. Die Straßen sind absolut leer. Durch zwei einspurige Baustellen müssen wir, das ist wie üblich knapp, aber gelingt ohne Berührung.
Ein großes Stück müssen wir über Bundesstraße. Das erfordert viel Konzentration von allen Beteiligten. Da zu dieser frühen Stunde aber nur sehr wenige unterwegs sind, kommen wir gut durch.
Um 6 Uhr, pünktlich mit Beginn der Sperrzeit, sind wir am Ziel.
Um 8 Uhr kommt der Kran und die Arbeiter beginnen damit, die kleinen Transportkisten abzuladen und die großen zu öffnen.
Dann erscheint jemand, der ohne einen Überblick zu haben, erstmal anfängt rumzumeckern. Warum die Fahrer nicht mit anfassen würden?
Oha – das kam bei denen aber gar nicht gut an und war auch direkt wieder vom Tisch. Immerhin hatten die vorher (alleine) schon die Ladungssicherung (z.B. Spanngurte, Warntafeln, Leuchten, etc.) entfernt.
Nachdem, was die bereits zusätzlich geleistet haben, um die Maschine pünktlich anzuliefern, hätten sie mindestens eine Tasse Kaffee und vielleicht auch ein paar belegte Brötchen verdient. Bekommen haben sie nichtmal ein Lob.
Wie mein Fahrer mir später erzählte, kommt es allerdings durchaus gelegentlich mal vor, dass man vom Kunden auch zum Frühstück eingeladen wird. Das ist von Kunde zu Kunde sehr unterschiedlich.
Mit dem einen LKW bin ich nach dem Abladen direkt nach Frankfurt aufgebrochen. Am Flughafen steht eines dieser mobilen Kühlhäuser und soll wieder zurück in die Firma transportiert werden. Darin wurden wohl Pharmazeutika auf dem Transportweg, während des Umschlags, untergebracht.
Der LKW-Fahrer hat eine Schlüsselkarte, womit er die Schranke am Tor zum Cargo-Bereich öffnen kann. Dort sind jedoch zahlreiche Kameras, da kann ich nicht als „Anhänger“ einfach mit reinschlüpfen.
In dem Häuschen am Tor stehen nur Computer, an denen man sich mit den Frachtpapieren einen eintägigen Zugang (Slot) verschaffen kann. Diese Papiere habe ich nicht. Ich bin ja nur Begleiter. Aber je nachdem, welche Engstelle und Kurve ihn auf dem Gelände erwartet, hätte mein Fahrer schon gerne einen Begleiter dabei.
Da ich nicht mit auf das Flughafengelände kann, suche ich mir außerhalb einen ruhigen Parkplatz zum Übernachten. Zu meiner Überraschung gibt es in der Umgebung eine größere Auswahl an kostenfreien Parkplätzen. Ich steuere den in 2,3 km Entfernung, am Luftbrückendenkmal liegenden, an.
Natürlich gehe ich auch zum Denkmal. Es erinnert an die Berliner Luftbrücke 1948/49. Sie diente der Versorgung des Westteils der Stadt Berlin durch Flugzeuge der Westalliierten, nachdem die sowjetische Besatzungsmacht die Land- und Wasserwege zu den West-Sektoren Berlins vom 24. Juni 1948 bis 12. Mai 1949 durch die Berlin-Blockade gesperrt hatte.

Auf dem Weg komme ich an einer Aussichtsplattform vorbei. Hier stehen zahlreiche Menschen mit großen Kameras und lichten jedes landende Flugzeug in unzähligen Bilder ab.
Okay.
Ich habe nicht gefragt, was sie damit machen.

In der Nacht heißt es wieder früh aufstehen. Ich bin um 3:30 Uhr mit dem Fahrer am Tor verabredet. Wir sind beide überpünktlich und düsen direkt los. Die Straßen werden mit der Zeit zusehends voller, aber wir kommen ganz gut durch und erreichen um 6:30 Uhr die Firma. Der LKW-Fahrer hat einen Schlüssel für das Tor und kann direkt einfahren, obwohl in der Firma noch alles dunkel ist. Um 8 Uhr kommt der Kran und wird ihn entladen.
Ich habe ein Foto gemacht, auf dem man einen Eindruck davon bekommt, was der LKW-Fahrer einer 3,90 m breiten Ladung in seinem Rückspiegel sieht. Von dem, was hinter oder neben ihm auf der Straße passiert, nicht mehr viel.
Deshalb verhindern Begleiter gefährliche Situationen und geben das Lagebild über Funk an den Fahrer durch.

Ich fahre derweil weiter zum nächsten Auftrag. Und weil ich grad im Rhythmus bin, startet der auch wieder um 4 Uhr früh. Eine kurze, einstündige Tour von Dinslaken zur Niederländischen Grenze bei Venlo.
Mit dem Schlaf klappt das ganz gut. Ich lege mich gegen 20 Uhr hin und komme dann auch auf 7 Stunden.

Dort angekommen, mache ich mich direkt auf den Weg zu meinem nächsten Auftrag in Geiselwind. Bevor es wieder voll auf den Straßen wird, will ich aus dem „Pott“ raus sein.
Nach 2 ½ Stunden, es ist inzwischen 7 Uhr, fahre ich auf einen Parkplatz, mache Frühstück und lege mich für 2 Stunden hin. Auf dem Parkplatz habe ich ein auf den ersten Blick ruhiges Plätzchen. Ab und zu donnert ein ICE vorbei. Der ist zwar laut, aber auch schnell vorbei. Meinen Schlaf stört er nicht.
Danach fahre ich den zweiten Teil der Strecke und stelle mich für die Nacht wieder auf meinen bewährten Wald-Parkplatz.
Weil das Wetter perfekt ist, gehe ich auch wieder auf den Trimm-Dich-Pfad. Auf halbem Weg mache ich einen Abstecher in das Dörfchen Gräfenneuses. Besonders charmant finde ich die einfache, offene Friedhofskapelle.

Da es in den vergangenen Nächten relativ frisch war, programmiere ich vor dem zu Bett gehen zum ersten Mal die Standheizung. Sie soll eine Viertelstunde vor dem Wecker schonmal damit beginnen, den Raum aufzuheizen.
Am Morgen sind draußen 14 °C und drinnen 16 °C. Das ist unter meiner kuscheligen Woll-Bettdecke völlig in Ordnung. Aber ich muss ja leider raus aus dem Bett.
Die Standheizung beginnt pünktlich mit der Arbeit. Den Wecker kann ich mir dann allerdings sparen. Sie verrichtet ihre Arbeit mit ziemlichem Lärmpegel und übertönt den schon lauten Kühlschrank deutlich. Dafür sorgt sie dann auch rasch für wohlige Wärme.
Nach dem Frühstück fahre ich zum Autohof rüber. Die Tour bin ich schonmal gefahren. Ich weiß also, wie es läuft. Habe ich gedacht.
Der LKW steht hier nicht. Sollte er aber eigentlich. Wir sollen um 9 Uhr losfahren, bis dahin ist Sperrzeit, er müsste also hier sein.
Ich texte den Fahrer an und frage mal nach.
Um kurz vor 9 Uhr kommt eine Antwort: er steht auf der anderen Seite des Autohofs, hinter dem Hotel. Auf die Idee bin ich nicht gekommen. Er steht dort auch ganz alleine. Aber ich hätte mich an seiner Stelle vermutlich auch dort hin gestellt, dort ist es viel ruhiger als unten, wo alle stehen.
Die Fahrt bis Montabaur ist keine Herausforderung, die Autobahn fast durchgehend dreispurig. Obwohl Freitag ist, läuft der Verkehr dafür ganz gut.
Ursprünglich war ich für heute um 22 Uhr noch für eine Tour eingeplant. Die wurde jedoch abgesagt und so beginnt für mich nun das, wie ich finde, wohlverdiente Wochenende.
