KW 39: Vier Kühlhäuser, Höchst und Windrad-Generator

Die Woche startet ganz entspannt. Um 7 Uhr aufstehen, duschen, frühstücken und um 9 Uhr fahre ich zu meinem Transport. Es fahren 4 LKWs mit Kühlhäusern nach Wiesenthaid. Mein Kollege ist bereits vor Ort und auch die LKWs trudeln nach und nach ein und werden beladen. Mein Kollege schnappt sich die ersten beiden und fährt schon mal los. Ich folge mit meinen etwa eine Stunde später.

Die Fahrt verläuft unspektakulär. Nach 4 Stunden treffen wir die anderen LKWs zur Pause auf dem Rasthof Spessart. Um es in einem durchzufahren, dauert es zu lang. Zudem haben wir von 16 bis 19 Uhr Sperrzeit. Um 20:15 Uhr erreichen wir das Ziel und rangieren die LKWs auf das Firmengelände.
Der betriebsangehörige Mitarbeiter zeigt unseren Fahrern, wo sie duschen und sich in der Nacht aufhalten können. Das Abladen ist für den kommenden Morgen geplant.

Ich habe mir für die Übernachtung den Parkplatz am Baumwipfelpfad Steigerwald ausgesucht. Das ist ein aufgeständerter Holzweg in 5 bis 7 Meter Höhe durch den Wald, teils über ein Wildgehege. Im Zentrum windet sich der Weg spiralförmig bis auf eine Höhe von 42 Metern. Dort ist man über den Bäumen und hat eine gute Aussicht. Bei mir wurde allerdings die Höhenangst irgendwann größer, als der Wille, ganz nach oben zu gehen.

Der Besuch kostet regulär 10,50 €. Im Moment nur 8 €, weil der Pfad wegen Wartungsarbeiten nicht komplett begehbar ist. Ich bin hier heute am frühen Morgen der einzige Besucher. Der große Parkplatz deutet allerdings darauf hin, dass das auch anders sein kann.
Am Ende gibt’s dann für 3 € eine leckere Leberkäse-Semmel.

Für mich geht es danach direkt wieder auf die Straße. Ich muss um Mitternacht an der Holländischen Grenze bei Aachen sein. Das sind 430 km. Auf halbem Wege mache ich eine Stunde Mittagspause.
An der Grenze angekommen, begrüße ich erstmal meinen Kollegen und wir besprechen einige Dinge über den Transport. Unsere zwei LKWs stehen bereits auf der Autobahn. Dort, wo sie für die Grenzkontrollen der Bundespolizei gesperrt ist. Da die 4,30 m breiten Transporte wohl nicht durch die Abfertigungsspuren passen, hat die Polizei dem zugestimmt.
Ich lege ich mich für 4 Stunden ins Bett und kann auch ganz gut schlafen.

Um 23 Uhr fahre ich von meinem Parkplatz zu den LKWs. Das heutige Ziel ist Höchst in Frankfurt. Dort soll bei Abfahrt von der Autobahn einer von uns Begleitern als BF2 voraus fahren. Das Problem: wir sind beide nicht ortskundig und unsicher mit der Streckenführung.

Glücklicherweise war einer der Fahrer schon dort, kennt die Strecke und sagt sie über Funk an. Mein Kollege fährt voraus und das funktioniert alles sehr gut. Nachts um 4 Uhr ist auch hier außer uns kaum jemand unterwegs.
Nachdem wir das Werkstor erreicht haben, steuere ich wieder den mir bekannten Parkplatz am Luftbrückendenkmal an. Erstaunlich, dass der selbst um 4 Uhr nachts fast voll steht. Viele scheinen Dauerparker zu sein.

Am Vormittag gehe ich nochmal zur Aussichtsplattform und sehe den Flugzeugen, diesmal beim Starten, zu. Ich schaue mich auch nochmal am Denkmal um und laufe etwas durch den Wald.

Am Nachmittag fahre ich zum nächsten Auftrag.

Zwei LKWs mit Windrad-Generatoren stehen in Neunkirchen. So ein getriebeloser Generator hat einen Durchmesser von 5 Metern und wiegt fast 60 Tonnen. Die werden hier gebaut.

Die Fahrt ist aufwändig. Mit 5 m Breite und 88 Tonnen Gesamtgewicht ist das ein „richtiger“ Schwertransport. Teilweise kriechen die LKWs mit Tempo 30 die Anstiege auf der Autobahn hoch. Wir haben fast die ganze Zeit BF3plus-Unterstützung dabei, häufig BF4 und dreimal Polizei.

Die 100 m hohe Lösterbachtalbrücke der A1 dürfen wir nur allein überfahren. Die Polizei sperrt die Autobahn in Gegenrichtung. Viel ist nachts um 2 Uhr nicht los, vor der Sperrung stehen eine Handvoll Autos.
Dann müssen wir ein Hindernis auf der Autobahn weiträumig über Landstraße umfahren, auch hier fährt die Polizei vorweg. Der Schilderdienst räumt Engstellen aus dem Weg, notfalls auch mal mit der Flex. Wir kommen nur langsam voran. Somit schaffen wir von den 400 km in der ersten Nacht gerade einmal die Hälfte.

Den Tag verbringe ich auf dem Rasthof Elztal. Ich schreibe an meinem Blog, bearbeite die neuesten Fotos und schaue ein paar Videos. Die Zeit geht schnell rum. Natürlich lege ich mich vor dem Transport nochmal hin, aber so richtig schlafen kann ich diesmal nicht.

Um 22 Uhr starten wir in den zweiten Teil der Strecke. Zu Beginn haben wir wieder eine Umfahrung über Landstraße. Die Polizei kommt zeitgleich mit uns an der Autobahn-Abfahrt an und führt uns über die Strecke. Zu dieser noch recht frühen Abend-Zeit kommt uns allerdings noch einiges entgegen. Selbst an den am Straßenrand wartenden PKWs können wir häufig nur mit Schrittgeschwindigkeit vorbei fahren. Jetzt dämmert uns auch, warum die Polizei das heute am frühen Morgen bei einsetzendem Berufsverkehr nicht mehr fahren wollte und uns in die Pause zwang.
Ab da geht es störungsfrei über Autobahn bis zur Grenze. Zumindest für uns störungsfrei, denn wir ziehen immer wieder einen kleinen Stau hinter uns her. Wobei wir meist mit 80 km/h unterwegs sind.
Manchmal donnert jemand über einen Parkplatz an uns vorbei und bringt dort die Menschen in Lebensgefahr. Einmal meinte jemand hinter mir, sich bei 2 m Sicherheitsabstand besonders gut zu fühlen. Aber das sind Ausnahmen, die meisten verhalten sich rücksichtsvoll.
Wie meint mein Kollege launisch: wenn er dir hinten drauf fährt, bekommst du ein neues Auto.

Um 0:20 Uhr erreichen wir die Grenze und übergeben fliegend an die niederländische Begleiterin. Ich fahre wieder ins Nettetal und schlafe erstmal aus.
Nach dem Frühstück und dem Schreiben des üblichen Transport-Berichts kann ich nach Hause und ins Wochenende.

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