Heute geht es zusammen mit einer Kollegin in den Süden. Wir begleiten mit zwei weiteren Begleitern einer Fremdfirma vier 4,20 m breite Kraftstofftanks für Generatoren.
Bevor es richtig losgeht, hakt es bereits. Die Fahrspur, der an der Grenze kontrollierenden Polizei, ist viel zu eng. Die Ladung rupft an den dort aufgestellten Warnbaken. Aber die lassen sich ja bewegen.
Der Polizist weist uns darauf hin, dass dies die PKW-Spur ist und wir doch eigentlich die LKW-Spur hinten herum hätten nehmen sollen. Das war niemandem von uns bewusst. Wir bezweifeln auch, dass der Weg mit unseren großen Transporten über den Parkplatz wirklich besser zu befahren wäre.
Nachdem der Juli viel zu trocken und viel zu warm war, scheint der August am heutigen Tage alles nachholen zu wollen. Es blitzt und schüttet monsunartig. Ich gerate auf der Überholspur in einen See und mein Sprinter wird zum Boot. Jetzt bin ich froh, dass ich neue Reifen habe und nach dem Fahrertraining eine Vorstellung, wie ich mein Auto da durchbringen kann.
Und wieder einmal kündigt ein Schild überraschend an, dass sich in einer Baustelle die zwei Fahrspuren trennen. Auch hier stehen die Warnbaken im Übergang etwas zu eng und müssen ein wenig korrigiert werden.
Aus irgendeinem Grunde ist das Los heute auf mich gefallen, den ersten LKW zu begleiten. Ich muss also mit den zwei vorderen LKW-Fahrern den Weg bereiten.
Die eigentliche Baustelle können wir dann gut befahren.

Pause machen wir unter einer Brücke auf einem breiten, befestigten Seitenstreifen neben dem Standstreifen. Ein offizieller Pausenplatz ist das vermutlich nicht, aber für uns eine akzeptable Alternative. Mit unseren großen Transporten hätten wir auf den vollen Rastplätzen überhaupt keine Chance.
Ziel ist für heute ein Parkplatz bei Regensburg. Meine Tankanzeige ist schon seit einer halben Stunde auf „Reserve“. Unsere niederländischen LKW-Fahrer rocken heute von den 740 km bis zum Morgenanbruch bereits 604 km.
Sie wollen erreichen, dass sie in Österreich den kompletten nächsten Tag fahren können. Das klappt aber nicht.


Da es auf dem Parkplatz keine Tankstelle gibt, fahre ich von der Autobahn ab und fülle 73 Liter in meinen Tank. So viel habe ich bisher noch nie getankt.
Ich muss kurz schlucken, als ich den angezeigten Preis von 158 € sehe und bin froh, dass ich das nicht selbst bezahlen muss.
Neben der Tankstelle ist die Kirche des kleinen Ortes. Ich stelle mich daneben auf ein schattiges Plätzchen, frühstücke und lege mich ins Bett.
Um 10:30 Uhr heult die Feuerwehr-Sirene. Sie kann nicht mehr als 20 m entfernt sein.
In meinem Auto sind 31 °C. Der Schatten ist gewandert und die Sonne steht jetzt voll auf mein Auto.
Ich wechsle auf einen anderen Parkplatz, der ist nicht toll, direkt an der Autobahn, aber bietet Schatten. Doch selbst im Schatten bringe ich bei draußen 36 °C die Temperatur im Auto ohne Klimaanlage nicht mehr unter 30 °C.
Um 21 Uhr brechen wir auf. Wegen einer Brücken-Sanierung, müssen wir ein Stück der Autobahn über Land weiträumig umfahren. Dabei unterstützen uns lokale BF4. Das funktioniert ganz gut. Bei einer Brückenbaustelle wird es sehr eng, aber alle kommen durch.
Um 23:30 Uhr erreichen wir den Grenzübergang Suben nach Österreich und stellen unsere LKWs dort ab.
Von der freundlichen Dame im Vignetten-Verkauf lasse ich mir noch schnell den Weg zurück nach Deutschland erklären und dann steuere ich meinen Parkplatz für die Nacht am Inn-Ufer an.
Zunächst empfängt mich dort ein Streifenwagen der Polizei. Nachdem ich erklärt habe, was ich bin und was ich dort will, ist das für sie o.k.
Meine Kalkulation geht auf: hier ist es angenehm kühl, ruhig und ich kann gut bis in den Morgen schlafen.

Nach dem Frühstück gehe ich zum Wasserkraftwerk Passau-Ingling. Ich gehe auch einmal rüber, auf die andere Seite des Inn, nach Österreich.
Am Abend fahre ich wieder an die Grenze und hole meinen Rücktransport. Der wird richtig anstrengend werden, aber auch interessant.
Um uns zu treffen, beschreiben wir am Telefon unseren Standort. Das führt zu Verwirrung, weil wir danach eigentlich an der selben Stelle stehen müssten. Wir sehen uns aber nicht.
Eine Lichthupe löst das Problem: wir stehen tatsächlich 30 m nebeneinander, können uns nur aufgrund einer dazwischen stehenden Wand halt nicht sehen.

Wir bringen zwei Kessel für die chemische Industrie in die Gegend um Bremen. Damit sind die Transporte knapp 4 Meter breit und 80 t schwer.
Die beiden Fahrer sind gut drauf. Wir unterhalten uns über dies und das. Früher war viel besser, als wir immer eigene Begleiter hatten, sagt mein Fahrer. Und jetzt bekomme ich immer andere und manche von denen sind gerade mal drei Wochen dabei.
Mein zurückhaltender Blick veranlasste ihn zu der Frage: Wie lange fährst du schon?
Bin im dritten Monat.
Das war sichtlich nicht die Antwort, die er gerne hören wollte.
Später erfuhr ich, dass der zweite Begleiter auch kaum länger dabei ist.
Der zweite Begleiter ist auch der Grund, weshalb wir nicht um die vereinbarten 23 Uhr, sondern erst 2 Stunden später starten können. Er steht mit seinem Transport zur Grenze noch vor einer Baustelle im Stau.
In Deutschland ist der LKW-Fahrer auch der Transportverantwortliche. Und das macht er richtig gut, habe ich so bisher bei noch keinem Transport gehabt. Er gibt über Funk präzise durch, welche Fahrspur(en) er nutzen will und wann wir den allgemeinen Verkehr wie einschränken sollen.
Es ist schön, wenn das im Team gut läuft. Allerdings ist es für mich auch anspruchsvoll, erfordert viel Konzentration. Nicht zum ersten Mal werde ich kritisiert, dass ich mehr kommunizieren soll. Also mehr erklären, was um den Schwertransport herum passiert.
Die erste Etappe fahren wir bis um 5:30 Uhr, auf einen kleinen Schwerlast-Parkplatz. Dort schlafen wir etwas und fahren um 9:00 Uhr weiter. Um 13:30 Uhr stellen wir uns für den Rest des Tages auf einen Rastplatz. Inzwischen haben wir die ersten 600 km hinter uns gebracht.
Abends lege ich mich hin und schlafe ein paar Stunden.
Um 1:00 Uhr in der Nacht geht es weiter. Um 5 Uhr erreichen wir das Ziel.
Ich mache mich auf den von der Fahrzeit etwa 2,5 Stunden dauernden Heimweg. Auf halber Strecke werde ich müde und steuere den nächsten Rastplatz an. Ich schlafe ein paar Stündchen, frühstücke und fahre dann ausgeruht weiter. Dort angekommen habe ich an den zwei Tagen 1.150 km gefahren. Das ist meine bisher längste Strecke.
