Die Woche startet ganz entspannt. Um 8:30 Uhr fahre ich von zuhause zu meinem Transport. Von einem Getränkehersteller werden 3 mobile Kühlhäuser wieder zum Vermieter zurück transportiert. Die Strecke beträgt gerade einmal 40 km. Ich fahre hin und her und hole sie nacheinander ab. Während ich den einen begleite, werden die anderen beladen.
An der Autobahnabfahrt steht eine Ampel mit recht kurzer Grün-Phase. Da bin ich beim ersten Mal bereits über gelb gefahren.
In der Genehmigung ist mir diesmal zum ersten Mal der Satz aufgefallen: Signalgesicherte Kreuzungen dürfen nur StVO-Konform in der Grünphase befahren werden.
Grundsätzlich dürfen wir nicht über rot fahren. Manchmal ist das für die Aufrechterhaltung der Sicherheit jedoch notwendig, dafür muss es dann einen guten Grund geben. Und es darf natürlich nichts passieren.
Dem zweiten LKW sage ich: bitte bleib stehen, wenn du noch grün hast. Aber wer bleibt schon freiwillig bei grün stehen.
Und so stehe ich dann vor der roten Ampel. Mit dem Hinweis in der Genehmigung käme ich mit keiner in dieser Situation zutreffenden Begründung aus einem Rotlichtverstoß raus. Also fährt der LKW allein weiter, über die Bundesstraße. Der Gesetzgeber will es so. Der LKW soll mir das Aufschließen ermöglichen, heißt es in den Rechtstexten. Aber wo soll er sich mit 3,80 m Breite denn hinstellen?
Ich nutze an der nächsten Ampel eine Linksabbiegerspur, um an der Kolonne vorbei zu fahren. Der PKW hinter meinem LKW lässt mich rein und ich bin recht flott wieder an meinem Platz.
Nachdem alle drei LKWs auf dem Firmengelände stehen, esse ich erstmal mein Mittagessen und fahre dann wieder ins Nettetal. Dort drehe ich eine schöne Abendrunde durch das Vogelschutzgebiet. Es ist für Ende September viel zu warm, aber für eine Abendrunde traumhaft.

Hinter dem Vogelschutzgebiet kommt De Wittsee. Darauf sind Stand-up-Paddle-Boards und es wird geangelt. Diesmal bin ich dort noch etwas weiter gegangen. Es gibt eine Minigolfanlage „Tortuga Adventure Golf“. Ich kann mich nicht erinnern, je eine so liebevoll gemachte und gepflegte Anlage gesehen zu haben. Völlig zurecht ist da an diesem schönen Abend auch einiges los. Erwachsene zahlen dort 9 €.
Ausgeschlafen trete ich am nächsten Morgen vor mein Auto und es ist immer noch diese milde Luft. Ich fahre an die Grenze zum LKW mit einer 3,50 m breiten Kiste, in der wieder eine Laser-Schneidemaschine ist. Diese soll 630 km weiter ins Allgäu gebracht werden.

Abgesehen von ein paar kurzen Staus läuft es gut und wir sind um 21:30 Uhr am Ziel.
Vor der Abfahrt haben wir über eine Baustellen-Ankündigung in der Genehmigung diskutiert. Dort ist auf der A7 wegen Fahrbahnerneuerung nur eine Durchfahrbreite von 3,50 m gegeben. Müsste ja passen.
Tatsächlich sind sie dort bereits fertig und die Strecke ist wieder zweispurig befahrbar. So ist das: manchmal wird es plötzlich einspurig, wo man es nicht erwartet. Und dann erwartet man eine enge Baustelle, aber sie kommt nicht. Letzteres ist uns jedoch eindeutig lieber.
Vor der Firma ist ein schöner, großer Parkplatz, auf den der Fahrer seinen LKW mittig platziert. Von dort kann er am Morgen leicht in die Halle fahren. Eigentlich könnte ich hier auch gut stehen. Ich habe aber bereits einen Wald-Parkplatz angepeilt zu dem ich dann auch hinfahre.
Der erste Eindruck ist dann allerdings enttäuschend. Der Parkplatz steht fast komplett voll, einige Autos sind so voller Laub, dass sie schon Tage oder Wochen hier stehen. Mindestens zwei PKWs sind gar nicht angemeldet.
Ich will aber ins Bett und stelle mich in die größere der zwei noch vorhandenen Lücken.
Am nächsten Morgen sieht die Bewertung dann schon etwas anders aus. Der Platz ist ruhig, ich habe gut geschlafen. Und er ist am Ortsrand. Es bietet sich nach dem Frühstück ein Bummel durch Bad Wörishofen an, in dem Pfarrer Kneipp im 19. Jahrhundert seine naturheilkundlich erlangten Erkenntnisse von der heilenden Kraft des Wassers verbreitet hat.

Gefühlt ist in dem Kurort jedes zweite Haus ein Hotel. Mal kleiner, mal größer. Manche werden gerade neu gebaut, andere stehen verlassen. Auf dem Friedhof kann ich die Grabstätte von Sebastian Kneipp besuchen.
Im ganzen Ort findet man an jeder Ecke „Kneipp“. Dabei ist der schon lange nicht mehr da. Diese Kuren kann man heute überall machen. Aber das Marketing nutzt diesen historischen Zusammenhang natürlich konsequent.
Nach dem Mittagessen fahre ich wieder nach Geiselwind. Dort soll ein LKW auf mich warten, der um 22 Uhr nach Montabaur begleitet werden will.
Ich kann ihn jedoch nirgends finden.
Also schreibe ich den Fahrer an.
Die Fahrzeuge kommen über die Österreichische Grenze. Sie machen hier auf dem Autohof gewöhnlich eine lange Pause und fahren dann bis Holland. Mein Fahrer kommt um 22 Uhr erst hier an und hat noch keine Pause gemacht. Das führt dazu, dass er unterwegs noch eine machen muss. Um diese Zeit irgendwo einen Stellplatz für einen normalen LKW zu finden, ist bereits eine Herausforderung. Für unsere 3,50 m breite Fuhre erst Recht.
Ich zeige ihm auf dem Handy den Schwerlast-Parkplatz der Rastanlage Montabaur. Dass man da „verbotenerweise“ durch die Ausfahrt reinfahren muss, gefällt ihm gar nicht.
Vor Ort werfen wir dennoch einen Blick darauf. Auf dem Platz stehen bereits Schwertransporte. Und leider auch einige normale LKWs. Am unteren Ende wäre noch Platz. Da käme er ganz gut hin, aber er muss ja nach der Pause auch von dem Platz wieder runter kommen. Toll ist das nicht, aber er wird heut nichts besseres mehr finden.
Wir fahren weiter. Eigentlich ist mein Auftrag hier zu ende, aber ich begleite ihn noch zum nächsten Parkplatz. Dort steht ein LKW in der Einfahrt, an dem er nicht vorbei kommt. In der Einfahrt Pause machen, mit meiner Absicherung zur Autobahn, will er nicht. Er fährt weiter und wir verabschieden uns.
Ich suche mir auf dem Parkplatz eine ruhige Ecke und lege mich ins Bett.
Da am Freitag nichts mehr anliegt, fahre ich mittags nach Hause und auf dem Weg beim Aldi vorbei. Morgen ist Tag der Deutschen Einheit.
