Die Woche beginnt mit einer Tour zu Airbus nach Hamburg. Also Routine.
Wenn ich eines inzwischen gelernt habe, Routine gibt es in dem Job nicht.
Geplant ist die Abfahrt für 20 Uhr. Neben mir stehen zwei BF3plus-Begleiter pünktlich an der niederländischen Grenze bereit. Der LKW ist da, aber der Fahrer scheint noch zu schlafen. Hat er vergessen, sich den Wecker zu stellen? Um 20:30 Uhr beginnen wir, ihn telefonisch zu kontaktieren. Um 20:40 Uhr klopfen wir an sein Fahrerhaus, es regt sich jedoch nichts.
Unsere Dispo nimmt Kontakt mit der Spedition auf und erfährt, dass die Abfahrt auf 23 Uhr verschoben wurde.
Warum teilt man uns das nicht mit? Wenn wir das zeitig wüssten, hätten wir uns auch noch hinlegen können. Denn ich werde ja nicht, wie geplant, um Mitternacht, sondern erst um annähernd 4 Uhr am Ziel sein. Darauf bin ich nicht vorbereitet.
Der BF4 Kollege in Hamburg muss seine geplante Anschlusstour an einen Kollegen übergeben, damit wir in dieser Nacht noch bis zum Airbus-Werk fahren können.
Um Mitternacht kommen wir dann endlich los. Die Fahrt selbst läuft wie am Schnürchen.
In Hamburg angekommen kuschele ich mich in mein am Wochenende frisch gewaschenes Bett und komme da auch um 11 Uhr erst wieder raus.
Draußen sind 14 °C, drinnen 19 °C und die Scheiben von innen nass. Schonmal ein kleiner Vorgeschmack auf den Winter.
Meine Dispo teilt mir mit, dass in Folge des Zeitverzugs die Rückfahrt nicht wie vorgesehen um 13 Uhr, sondern erst um 22 Uhr startet.
Am Nachmittag schreibt mir der LKW-Fahrer per SMS, dass sich die Abfahrt auf 0:30 Uhr verzögert. Damit kann ich doch arbeiten.
In Hamburg habe ich somit zum ersten Mal einen ganzen Tag Aufenthalt. Mehrfach startet und landet direkt vor meiner Motorhaube heute der Beluga, das große Transportflugzeug von Airbus. Meistens ist er bereits in der Luft, wenn ich ihn höre. Einmal bekomme ich zeitig mit, dass er starten will und kann Fotos machen.



Es ist das ältere, kleinere Modell. Das Folgemodell hat Airbus mit Augen und einem Lächeln lackiert, finde ich genial gemacht. (Fotos auf Wikipedia)
Dann laufe ich durch das hinter dem Werk liegende Naturschutzgebiet und die Kleingartenanlage, bevor ich mich vor der Fahrt für ein paar Stunden hinlege.
Tatsächlich los kommen wir dann um 1:00 Uhr.
Da wir für die Strecke rund 7 Stunden brauchen werden, sind wir wohl kaum um 6 Uhr am Ziel. Von 6 Uhr bis 9 Uhr ist für Schwertransporte jedoch Sperrzeit, im Berufsverkehr will man die nicht haben.
Mit seiner Fahrzeit kommt der Fahrer gut bis zur Raststätte Rhynern, dort warten wir die Sperrzeit ab. Ich nutze sie zum Ausgleich meines Schlaf-Defizits.
Danach fahren wir dann locker weiter bis zur Grenze bei Aachen. Dort mache ich Mittag und fahre dann zum nächsten Auftrag.
Der führt mich 320 km nach Höxter. Die Anfahrt ist eine Katastrophe, ich stehe gefühlt mehr als dass ich fahre. Nachdem ich aus dem heimischen Kessel raus bin, wird es aber deutlich besser.
Der LKW ist bereits fertig, mit einem 3,40 m breiten Ventilator beladen. Mein Kollege ist auch schon da. Er wird als BF4 auf der Landstraße voraus fahren.
Vorher können wir uns bis Mitternacht noch hinlegen, denn der Start ist für 1 Uhr terminiert.

Auf den Straßen ist um diese Zeit fast nichts los. Mein Kollege hat vorne leichtes Spiel. Enge Hindernisse gibt es nicht und der LKW Fahrer macht einen guten Job. So kommen wir schnell voran.

Um 6 Uhr erreichen wir die Grenze. Ich lege mich direkt ins Bett. Obwohl ich die Nacht durch gefahren bin, komme ich somit dennoch auf 7 Stunden Schlaf.
Das ist auch wichtig, denn in dieser Woche bin ich in jeder Nacht unterwegs und tagsüber habe ich einige Anfahrten.
Für den letzten Auftrag dieser Woche muss eine große, 27 Tonnen schwere Maschine transportiert werden.
Das witzige an der Sache ist, dass ich mich vor Jahren bei dieser Firma mal beworben habe. Ich kenne die also relativ gut und habe eine recht genaue Vorstellung darüber, was die machen.
Ich bin immer wieder überrascht, wie klein die Welt doch ist.

Bei der Strecke müssen wir wohl einen Tunnel umfahren, für den wir zu hoch sind. Wir fahren einen großen Umweg, durch nahezu unzählige Kreisverkehre. Der Fahrer hat das jedoch gut im Griff und lenkt seinen Trailer schön mittig durch die Engstellen.

Auf der Autobahn angekommen ist es mit „nur“ 3,10 m Breite dann schon fast langweilig.
Um 1:45 Uhr erreichen wir die niederländische Grenze. Weil ich die freien Straßen nutzen will, fahre ich direkt weiter und bin um 3:15 Uhr zuhause.
