Mein Vorgänger hat mir in dem Auto eine Lichterkette hinterlassen, die man dimmen und in der Lichtfarbe variieren kann. So kann ich neben der hellen, werksseitig verbauten Deckenbeleuchtung gedämpftes Licht erzeugen. Diese Lichterkette wird jedoch mit einem 220 V Netzteil betrieben, ich kann sie also nur zusammen mit dem Wechselrichter verwenden. Der Wechselrichter dürfte dabei jedoch mehr Strom verbrauchen, als die Lichterkette selbst.
Direkt an 12 V lässt sich die Lichterkette nicht betreiben.
Am Wochenende habe ich sie mit einem DC-Wandler versehen, der effizient aus 12 V die von der Lichterkette benötigte Spannung von 24 V erzeugt. Den Wandler hatte ich noch von einem anderen Bastelprojekt, bekommt man für wenige Euro z.B. bei AliExpress. Nun kann ich die Lichterkette jederzeit nutzen.

Allerdings werde ich jetzt öfters vergessen, nach dem Erwärmen des Mittagessens den Wechselrichter wieder abzuschalten. Daran hat die Lichterkette mich bisher zuverlässig erinnert.
Die Woche startet mit 4, mit je einem großen Kraftstofftank beladenen LKWs nach Österreich, wie in KW 32. Da ich beim letzten Mal aufgrund der langen Strecke starke Rückenschmerzen bekommen habe, fahre ich diesmal nur die erste Nacht. Dann übernimmt ein Kollege bis zum Grenzübergang Suben.
Ich breche um 16 Uhr zuhause auf und lege mich an der Grenze für 3 Stunden schlafen. Während mir auf der Fahrt bereits die Augen zufielen, im Bett bin ich wieder hellwach. Aber ich ruhe.
Von den Beteiligten bin ich der einzige, der beim letzten Mal vor 3 Wochen auch dabei war. Mit anderen Beteiligten läuft die Tour direkt ganz anders. Während beim vergangenen Mal viel im Team gearbeitet wurde, handelt diesmal jeder selbst für sich.
Der vierte Begleiter ist von einer externen Firma, der zeigt sich gar nicht und spricht nichts ab. Der war zwar dabei, aber gesehen habe ich ihn bis zum Ende nicht. Auch das war beim letzten Mal anders, da haben sich die beiden Externen vom ersten Moment an mit eingebracht.
Aufgrund meiner Erfahrung vom vergangenen Mal, erkläre ich meinem exzellent deutsch sprechendem LKW-Fahrer am Telefon, dass er am Grenzübergang bitte nicht in die PKW-Kontrolle fährt, sondern hintenrum die LKW-Spur nimmt.
Das Problem: mein Fahrer hat den letzten LKW. Und der erste fährt dann doch wieder in die PKW-Spur.
Nun hat die Polizei in der Zwischenzeit die PKW-Spur weiter ausgebaut. Sie wurde im Kontrollbereich durch Betonklötze befestigt, da kommen unsere 4,20 m breiten Transporte absolut nicht durch.
Also leitet die Polizei die Fahrzeugschlange hinter uns aus der Spur, die LKWs müssen zurücksetzen und dann in die LKW-Spur wechseln. Dort müssen im Kurvenbereich zwar ein paar Baken verrückt werden, aber da kommen wir dann ganz gut durch. Auf diese Weise gelangt mein LKW nun doch wieder ganz nach vorne, wie beim letzten Mal.
Die Polizisten waren dabei freundlich und lösungsorientiert, muss an dieser Stelle auch mal gesagt werden.
Irgendwann steht dann die 45 Minuten Pause an. Für unsere 4 LKWs einen Parkplatz zu finden, ist um diese Zeit unmöglich. Wir steuern mehrere Park- und Rastplätze an, die stehen alle voll. Die Stimmung bei den Fahrern wird merklich angespannter.
Wir finden dann einen ausreichenden Standstreifen zwischen einer Ab- und Auffahrt. Unter den gegebenen Umständen funktioniert das ganz gut.

Um 5 Uhr erreichen wir nach 480 gefahrenen Kilometern die Rastanlage Aurach. Ein bisschen Platz ist auf der Schwerlast-Spur, ein paar nebeneinander liegende LKW-Stellplätze sind frei. Einige LKWs auf der Schwerlastspur rücken zusammen oder parken um, so bekommen wir unsere LKWs recht schnell für den Tag abgestellt.
Aber es gibt auch immer den einen, der komplett unkooperativ und absolut egoistisch ist.
Meinen nächsten Transport soll ich am Abend in Geiselwind abholen. Mein Kollege rät mir, doch jetzt direkt dorthin zu fahren. Dort würde ich viel ruhiger stehen als hier auf der Rastanlage und er erklärte mir auch, wo man dort stehen kann. Also fahre ich die 55 km jetzt noch dorthin.
Ich habe so gewisse Vorurteile Autohöfen gegenüber. Heute erfolgt also meine erste Konfrontation damit.
Und sie bestätigt alle meine Vorurteile: Es ist dreckig, laut, alles in die Jahre gekommen und überall große, unübersehbare Plakate „Privatparkplatz 14 €“.
Zugegeben, die Tankstelle auf dem Gelände wurde und wird gerade modernisiert.
Hier soll ich den Tag verbringen?
Google Maps schlägt mir in 6 km Entfernung einen „Parkplatz am Trimmdichpfad“ vor. Der Weg dahin führt mich durch das malerische Dörfchen Geiselwind und vorbei am Freizeit-Land Geiselwind. Der Freizeitpark wirkt wie ein Lost-Place, was aber wohl ursächlich mit der frühen Stunde zusammenhängen dürfte.
Mein Parkplatz liegt sehr ruhig am Waldrand, mit Blick auf eine Wiese. Ab und zu kommen Jogger, Hunde-Spaziergänger und der Bauer mit seinem Traktor vorbei. Hier schlafe ich erstmal bis 11 Uhr aus.

Am Nachmittag gehe ich auf den Trimm-Dich-Pfad. Zu meiner Überraschung gehe ich auch auf die dort aufgestellten Geräte. Die sind in gutem Zustand und funktionieren erstaunlich gut. Die schöne Atmosphäre im Wald trägt ihr übriges dazu bei.

Am Ende hatte mein Kollege also doch Recht damit, dass ich in Geiselwind besser und ruhiger stehe.
Der Fahrer meines Transports für heute Abend schickt mir eine Nachricht, wo er steht und wann er fahren könnte. Das ist mal ein Service. Üblicherweise nehme ich mit den Fahrern Kontakt auf und nicht immer bekomme ich eine Antwort.
Der Fahrer ist sehr nett, spricht fließend englisch und wir unterhalten uns viel. In einer 3,50 m breiten Kiste transportiert er das Gehäuse eines Flugzeug Triebwerks. Dass er diese Strecke schon häufiger gefahren ist, merke ich. Er kennt die Stellen, auf die wir fahrerisch reagieren müssen und sagt sie mir vorher an.
Die Fahrt endet für mich kurz vor Mitternacht an der Rastanlage Montabaur. Der LKW fährt weiter Richtung Holland, er benötigt ab hier keine Begleitung mehr. Ich suche mir wieder einen nahe gelegenen Wald-Parkplatz und werde auch fündig. Ein ruhiger Parkplatz, umringt von hohen Bäumen. Es ist stockduster, mit meinen Arbeitsscheinwerfern verschaffe ich mir erstmal einen Überblick, wo ich mich am besten hinstelle.

Am Nachmittag wandere ich bei bestem Wetter 3 Stunden durch das große, durch befestigte Wege und unbefestigte Pfade erschlossene Forstgebiet.
In der folgenden Nacht von Donnerstag auf Freitag warten zwei Transporte auf mich. Der erste startet um 22 Uhr in Simmerath und führt zu einem Großteil über Landstraße. Das BF4 Team hat zu dieser, für Schwertransporte noch recht frühen Stunde, relativ viel zu tun, da noch viele PKW-Fahrer unterwegs sind.

Die LKW-Fahrer machen ihre Sache recht gut. Mit ihrem 4,20 m breiten und 4,5 m hohen Schmelzofen fahren sie gut durch Engstellen und Kurven. An der niederländischen Grenze übergeben mein Kollege und ich die LKWs ohne Stopp an einen dort bereits wartenden, niederländischen Begleiter.
An der Grenze lege ich mich für 1,5 Stunden hin, der nächste Transport soll um 3 Uhr hier vorbei kommen.
Nach meinem Nickerchen hat mein Kollege bereits Kontakt zu seinem Fahrer und weiß, dass sie eine halbe Stunde früher dran sind. Während wir reden, ruft mein Fahrer an und spricht sich mit mir ab.
Damit auch die BF4 zeitig bereit stehen, nehme ich Kontakt mit ihnen auf.
Kurz darauf kommen dann auch unsere Holländer vorbeigeflogen und wir hängen uns an sie dran. Auf den LKWs sind zwei große Stahlträger für einen Hallen-Neubau. Die 62 Tonnen schweren Transporte sind mit 33,5 m relativ lang. Zumindest, wenn man damit durch Dortmund fahren will.

Da sie ganz normale 2,55 m breit sind, ist auf der Autobahn nicht viel zu tun. Mal davon abgesehen, dass wir durch ein heftiges Gewitter müssen, mit extremer Sichtbehinderung und Aquaplaning. Vielleicht wird jetzt gerade auch eine Überraschung vorbereitet, mit der ich später noch zu tun haben werde.
An der Autobahnabfahrt erwarten unsere BF4 uns bereits und halten vor den LKWs die Kreuzungen frei. Trotzdem ist es eine Herausforderung, die langen Trailer um die Kurven zu bringen. Dabei tut sich der erste sichtlich schwerer. Ich vermute, er ist länger. Später erfahre ich vom Fahrer, dass beide gleich lang sind, sich der erste aber schwieriger steuern lässt. Doch auch bei meinem besseren sind die engen Kurven für die lenkbaren Hinterachsen eine sichtliche Herausforderung.

Um 4:30 Uhr erreichen wir die Baustelle, die LKW-Fahrer haben einen Code für das Tor und rangieren auf das Gelände.
Für mich geht’s jetzt ins Wochenende. Allerdings ohne Google-Maps-Navigation. Aus irgendeinem Grund hat das Firmenhandy mitten in Dortmund keinerlei Verbindung zum Netz.
Egal. Mein eigenes Handy sagt, in 27 Minuten bin ich zuhause.
Doch eine kleine Überraschung wartet noch auf mich: das Auto springt nicht mehr an.
Alles wirkt normal, aber der Anlasser dreht nicht. An der Batterie kann es eigentlich nicht liegen, der Motor hat vor 10 Minuten noch gelaufen und starke Verbraucher waren in der Zwischenzeit nicht an.
Rufe ich wen an? Jetzt, um 5 Uhr in der Nacht?
Eigentlich kann der Wagen hier an dieser Stelle über Nacht stehen. Also lege ich mich ins Bett und beschließe, am Morgen in unserer Werkstatt anzurufen. Zur Sicherheit stelle ich den Kühlschrank ab. Der wird zwar nicht von der Starterbatterie betrieben, aber es ist auch nichts mehr drin, was das nicht vertragen würde.
Am Morgen schalte ich während des Frühstücks das Handy ein. Es hat wieder Netz. Aha. Problem Nummer 1 gelöst.
Ich fordere mein Glück heraus und drücke den Startknopf des Sprinters. Er springt an. Jetzt aber bloß nicht wieder ausmachen!!!
Ich verstaue die im Wohnbereich liegenden losen Teile und fahre zur Firma. Wenn der Wagen dort nicht wieder anspringt, muss er nicht abgeschleppt werden und vielleicht kennt unsere Werkstatt die Ursache bereits.
In der Firma bekomme ich erstmal eine neue Batterie. Es ist noch die erste drin und auch mit Blick auf den kommenden Winter hält unser Werkstattleiter das für ratsam. Bis die neue Batterie geliefert ist, wird mein Fahrzeug beim TÜV erfolgreich zur UVV-Untersuchung vorgestellt.
Beim folgenden Startversuch tritt der nur gelegentlich auftretende Fehler dann tatsächlich auf, sodass unser Meister es selbst sehen kann. Nur an der Batterie lag es also nicht. Dann wird der Magnetschalter des Anlassers als Ursache diagnostiziert. Vielleicht ist während des Gewitters irgendwo Feuchtigkeit eingedrungen?
Ich bekomme direkt einen neuen Anlasser und die korrodierten Kabelverbindungen zwischen Batterie und Anlasser werden gereinigt.
Rückblickend lässt sich sagen, dass der Vorfall glücklicherweise erst nach dem Transport aufgetreten ist und das Fahrzeug nicht (mehr) mitten auf der Straße stand. So hatte das Ereignis keine großen Folgen und konnte recht stressfrei bewältigt werden.
Um 15 Uhr fahre ich dann endlich ins Wochenende und beginne dieses erstmal im Freibad.
Die Aktuelle Stunde des WDR-Fernsehen hat am 29. August über das bürokratisch aufwendige Verfahren der Genehmigungserteilung für Schwertransporte berichtet:
https://www1.wdr.de/mediathek/video/sendungen/aktuelle-stunde/der-buerokratiewahnsinn-beispiel-spediteur-102.html
