Die vergangene Woche steckt mir noch in den Knochen. Die vielen Stunden hinterm Steuer, die extremen Wetter-Temperaturen. Das hat bei mir zum ersten Mal zu Rückenschmerzen geführt.
Dass die sich früher oder später mal melden würden, da habe ich im Vorfeld bereits mit gerechnet. Trotzdem kamen sie jetzt unerwartet.
Ich habe mir im Voraus bereits vorgenommen, unterwegs Übungen zur Prävention zu machen. Aber wie das immer so ist, blieb es bisher bei Vorsätzen. Das wird sich jetzt ändern müssen.
Für den Notfall habe ich Schmerztabletten (Ibuprofen) eingepackt. Die nehme ich bisher nicht und möchte das auch auf lange Sicht nicht tun.
Da kommt es gelegen, dass die Woche mit einer Routine-Tour nach Hamburg startet. Von wegen.
Es beginnt damit, dass die Tour von Sonntag-Abend auf Montag-Abend verschoben werden muss. Die Holländer haben wegen Grünschnitt-Arbeiten die Autobahn gesperrt. Und wir erinnern uns, dass Schwertransporte nicht von der genehmigten Route abweichen und einfach eine Umleitung fahren dürfen.
Also verbringen unsere LKW-Fahrer das Wochenende auf einem kleinen Parkplatz ohne Toilette und Dusche.
Am Montag gehts aber dann los. Als ich komme, stehen da die drei großen LKWs, mein BF3-Kollege und zwei unterstützende BF3+ von einer Fremdfirma. Der dritte BF3, ebenfalls von einer Fremdfirma, ist noch nicht da. Das ändert sich auch bis eine Viertelstunde vor Abfahrt nicht.
Mein Kollege telefoniert mal rum, während ich mit den LKW-Fahrern bespreche, welche organisatorischen Vorstellungen die von der Tour haben.
Der dritte BF3-Fahrer hat an der Grenze einen Unfall.
Und jetzt?
Es wird mit der Dispo telefoniert und ein Plan-B erarbeitet.
Wir rollen langsam los und der fehlende BF3 Fahrer stößt zu uns. Es ist „nur“ Plastik kaputt, woraus so eine Stoßstange halt heute so ist.
Jetzt läuft es, wir kommen gut voran.
Bis von meinem Kollegen der Funkspruch kommt, dass er Probleme mit seinem Motor hat und von der Autobahn abfahren muss.
Und jetzt?
Eigentlich dürfen wir mit nur zwei Begleitern nicht weiter fahren. Mit drei 4,50 m breiten LKWs auf der Autobahn anhalten ist aber auch gar keine gute Idee. Die Parkplätze sind um diese Zeit, es ist etwa 23 Uhr, rappelvoll. Da bringen wir die drei LKWs nirgends unter. Da es bis zum Ziel nicht mehr weit ist, beschließen wir, dass der zweite Begleiter ans Ende wechselt und wir den unbegleiteten LKW in die Mitte nehmen.
Nun muss ich noch den Kontakt zum BF4 übernehmen, der uns in Finkenwerder durch die Enge Gasse schleust. Diesen Kontakt hielt bis jetzt mein Kollege.
Der BF4 ist zunächst über den Wechsel etwas verwirrt, aber er kennt mich und das klappt dann auch.
Der Gegenverkehr auf der engen Straße ist gesperrt, das letzte gemeldetet Fahrzeug bei uns vorbei. Weil wir relativ früh in die gesperrte Straße einfahren, bitte ich den vorderen LKW-Fahrer, sicherheitshalber etwas vorsichtiger zu fahren. Und prompt kommt uns in der gesperrten Straße ein LKW entgegen. Das ist den Fahrern noch nie passiert.
Der entgegenkommende LKW hat frühzeitig eine gute Ausweichstelle gefunden, so kommen wir problemlos an ihm vorbei.
Wie ich nachher vom BF4 erfahren habe, ist der LKW definitiv nicht am Ende der Straße eingefahren. Er muss in dem Teilstück geparkt oder dort etwas geladen haben.
Der nächste Tag geht weiter, wie der letzte aufgehört hat. Geplant ist, dass zwei LKW um 11 Uhr fahren, meiner um 13 Uhr. Das ergibt sich durch die Dauer des Abladens. Weil mein Kollege wegen dem kaputten Fahrzeug in der Nacht so gut wie nicht geschlafen hat, tausche ich mit ihm.
Dann kommt die Nachricht, dass einer der LKW-Fahrer einen Zusammenbruch hatte. Bevor der sich hinters Steuer setzt, wird das erstmal im Krankenhaus untersucht. Es fahren also heute nur zwei LKWs. Ich bekomme meinen zurück und mein Kollege kann ausschlafen.
Wir rollen heimwärts. Aber das Highlight wartet ja noch auf uns: Auf der A2 hat der geplatzte Reifen eines Viehtransporters einen Böschungsbrand ausgelöst (meldet WDR 2). Der Brand war wohl recht schnell unter Kontrolle, aber dann mussten die 81 Schweine umgeladen werden. Jedenfalls stehen wir hier von 16 bis 20 Uhr aufgrund einer Vollsperrung im Stau.
Als wir uns Meter für Meter bis zur Raststätte Lipperland durchgestaut haben, sind wir dort abgefahren um Pause zu machen. Aber wie sieht eine Raststätte aus, auf die nur Fahrzeuge einfahren, aber keines ausfahren kann. Es steht einfach alles zu, es geht nichts vor und nicht zurück, sowohl bei den LKWs wie auch den PKWs.
Mein LKW-Fahrer schaut auf seine Uhr: wenn ich nicht spätestens in 20 Minuten losfahre, kann ich in meiner Tageszeit nicht mehr die Grenze erreichen. Und weil auf dem Weg bis dahin erfahrungsgemäß auch alle Parkplätze voll sein werden, bleiben wir wohl über Nacht hier.
Für mich würde das bedeuten, dass ich meinen morgigen Auftrag nicht machen kann und gleich meine Dispo informieren muss.
Während wir noch so reden, sehen wir, dass am Ende der Rastanlage Bewegung in die Fahrzeuge kommt. Wir gehen dorthin und schauen auf die Autobahn. Dort ist Bewegung. Wir sehen einen Spuranzeiger, auf dem werden zwei offene Spuren angezeigt und eine dritte, die wegfällt.
Wir meinen, nach der Öffnung muss der Verkehr jetzt eigentlich immer besser werden. Schlechter sollte er nicht mehr werden.
Was machen wir? Fahren oder nicht fahren? Wenn wir auf dem Weg eine weitere Störung bekommen, brauchen wir einen Parkplatz für die Nacht. Hier, wo wir jetzt stehen, hätten wir einen.
Wir beschließen, zu fahren. Als wir wenige Minuten später auf die Autobahn auffahren, ist da kaum noch ein Auto. Und so rollt es wunderbar bis zur Grenze.
An der Grenze, inzwischen ist es fast Mitternacht, esse ich Abendbrot. Dann mache ich mich auf den Weg Richtung französischer Grenze. Dort soll ich einen Caterpillar übernehmen. Ich will noch heute Abend eine erste Etappe fahren und mich dann hinlegen.
Ich werde jedoch recht schnell müde und fahre auf einen Autobahn-Parkplatz. Der sieht üselig aus und gefällt mir nicht. Also hoffe ich auf den nächsten.
Dann kommt Rastplatz Peppenhofen. Den hatte ich mir eh schon als erste Übernachtungs-Möglichkeit überlegt. Natürlich steht alles voll, doch neben einem LKW finde ich ein Plätzchen.
Zunächst steigt mir ein intensiver Geruch nach Fäkalien in die Nase. Dann ist da ein Brummer (Tiefkühl-LKW). Und vor mir sehe ich die Fahrzeuge auf der Autobahn vorbeiflitzen. Nein, so müde bin ich dann doch noch nicht. Also zum nächsten Parkplatz.
Der ist auch voll, auf allen PKW-Stellplätzen stehen LKWs. Aber im hinteren Bereich finde ich zwischen zwei LKWs einen Platz für mich. Hier ist es ruhig.
Am nächsten Morgen weckt mich um 6 Uhr mein Wecker. Die LKWs um mich herum sind so gut wie alle weg. Von deren Abfahrt habe ich nichts bemerkt. Ich muss geschlafen haben, wie ein Stein. Wenn mir auch leider nicht mehr als vier Stunden blieben.
Im Auto sind 20, draußen 15 °C. Ich wickel mich während des Frühstücks in meine Bettdecke. Es soll aber heute wieder richtig warm werden.
Nach dem Frühstück geht es dann auf die zweite Etappe. Hier sehe ich, wo die LKWs vom Parkplatz alle geblieben sind: auf der rechten Spur fährt eine endlose Reihe von ihnen. Es rollt aber gut. Nur Überholen ist für meinen mäßig schnellen Sprinter nicht ganz einfach, weil die Lücken so klein sind.

An der Grenze taucht recht bald mein gut gelaunter, französischer Fahrer mit dem Bagger auf. Er spricht kaum Deutsch und kaum Englisch. Aber es genügt, um das nötigste auszutauschen.
Der Transport ist mit 3 m ein bisschen zu breit, mit 4,3 m ein bisschen zu hoch und mit 56 t ein bisschen zu schwer. Daher muss er begleitet werden. Er fährt sich aber problemlos und ich habe nicht viel zu tun.
Die Tour ist nicht weit und um 12:30 Uhr sind wir bereits am Ziel.
Ich stelle mich an einen Baggersee. Hier gibt es eine offiziell ausgewiesene Badestelle. Nach und nach kommen hier an diesem heißen Nachmittag die Leute, liegen auf der großen Wiese, baden oder kaufen sich an der Bude ein Eis.
Ich hätte ja meine Badehose dabei.
Aber was mache ich mit dem elektronischen Autoschlüssel.
Und so klar, wie bei uns im Freibad, ist das Wasser auch nicht.
Ich bin halt doch ein Stadtmensch.

Abends gehe ich eine ausgedehnte Runde um einige der Seen.
Etwa 100 m neben meinem Parkplatz nisten Störche und klappern im Sonnenuntergang.
