KW 30: Kiste an die Schweizer Grenze, dann Mobilkran überführen

Am Montag Abend starten wir mit einer 4,60 m breiten Kiste von Venlo zur Schweizer Grenze. In der Kiste ist eine Laser Bearbeitungsmaschine. Genau diese Kiste habe ich schonmal gesehen, als wir in der Vollsperrung standen. Ein Kollege musste damit jedoch wieder zurück zum Ausgangspunkt, weil die Zoll-Papiere nicht komplett waren. Jetzt hab’ ich sie.

Unsere Fahrt läuft eigentlich gut. Wenig Verkehr und das Zusammenspiel zwischen dem holländischen LKW-Fahrer und mir funktioniert auch.

Aber dann kündigt ein Schild an, dass in einer Baustelle eine der Spuren auf die Gegenfahrbahn geleitet wird. So ein breiter Transport auf nur einer verbleibenden Spur – das wird immer eng.

In diesem Fall bedeutet das eine Fahrspur von etwa 4,40 m, also zu wenig. Die Kiste setzt auf den Beton-Leitplanken auf. Wir stecken fest.

Es ist nach Mitternacht, viel Verkehr ist nicht. Den leite ich auf die zweite Fahrspur. Das scheint ganz gut zu funktionieren, aber toll ist das natürlich nicht.

Der LKW-Fahrer hebt den Trailer so weit wie möglich an, rangiert ein Stück zurück und kommt wieder frei. Einige Spanngurte sind von der Beton-Leitplanke abgerissen worden und liegen auf der Straße, die sammle ich ein. Der Fahrer ersetzt sie später durch neue.

Der weitere Baustellenverlauf ist durch Warnbaken begrenzt. Die geben nach oder kippen um und werden von mir wieder aufgestellt. Da waren wir dann schnell durch.

Um 3 Uhr erreichten wir den angepeilten Rastplatz. Natürlich steht die Schwerlastspur voller normaler LKWs und ein Schwertransport mit einem Haus verstopft die Zufahrt.

Mein Fahrer findet einen Weg, von hinten rückwärts in den PKW-Bereich zu rangieren und stellt sich auf die dort reichlich freien PKW-Plätze.

Den Tag habe ich dann auf dem Rasthof verbracht. Da konnte ich zunächst einmal was am Computer machen. Den Computer hatte ich am Wochenende mit Schienen auf dem Tisch festgespannt, sodass ich ihn für die Fahrt nicht mehr ins Bett legen muss.

Dann habe ich den Rastplatz hinten heraus verlassen, bin am Rhein entlang spaziert und durch Bad Bellheim.

Eine halbe Stunde nach Mitternacht konnten wir dann die restlichen 20 km bis zur Grenze zurücklegen.

Diesmal waren die Zoll-Dokumente in Ordnung und planmäßig haben die Schweizer Begleiter ihn um 1 Uhr übernommen.

Ich habe meinen Schlafplatz am Rhein angesteuert.

Um 10:30 Uhr hat mich mein Wecker geweckt und ich bin nach dem Frühstück zu den Isteiner Schwellen gegangen. Das ist eine natürliche Barriere aus hartem Kalkstein im Rhein um die das Wasser drüber und drumherum muss.

Vormittags war ich hier noch ziemlich allein. Aber dann tauchten zunehmend Leute mit Strandmatten und ohne Badehose auf.

Nach dem Mittagessen bin ich zum Isteiner Klotz gewandert. Der Isteiner Klotz ist ein markanter Bergrücken. In einer Felsnische befindet sich die Vituskapelle, die um das Jahr 1100 errichtet wurde.

Wegen seiner exponierten Lage gegenüber der französischen Grenze wurden während des zweiten Weltkrieges als Teil des Westwalles zahlreiche, durch Hohlgänge verbundene Festungsanlagen, in den Felsen angelegt.

Nach der Kapitulation wurden diese Anlagen durch Verwendung von rund 100 Tonnen Sprengstoff zerstört.

Um die heute obligatorische Sonnencreme wieder abzuwaschen, habe ich zum ersten Mal den Auslaufhahn für meine Trinkwasser-Vorratskanister verwendet. Das hat hervorragend funktioniert und weniger Wasser verbraucht, als ich erwartet habe.

Damit ich zukünftig nicht jedes Mal für eine Draußenwäsche einen Baum fällen muss, habe ich mir später zuhause ein Seil konfektioniert, an dem ich den Kanister am Fahrzeug aufhängen kann.

Am Abend habe ich mich auf den Weg nach Ehingen gemacht. Dort soll vom Liebherr Werk ein neuer Mobilkran Richtung Rotterdam überführt werden.

Der Weg nach Ehingen ist 240 km weit und führt weitgehend über Land. Das geht nicht so flott wie per Autobahn, es gibt jedoch landschaftlich einiges zu sehen. Ich staue mich durch Freiburg, fahre dann durch Felsenschluchten, wie ich sie in Deutschland nicht erwartet hätte, passiere Sigmaringen und ein zweites Hattingen.
In Ehingen gibt es einen Wohnmobil-Stellplatz, auf dem man 4 Tage kostenlos stehen kann. Bei meinem Glück wird darauf aber gerade die Kirmes aufgebaut.
Also stelle ich mich auf den Friedhofs-Parkplatz. Dort bin ich allein und habe meine Ruhe.

Um 6 Uhr hole ich, wie vereinbart, den Kranfahrer ab. Sein Hotel ist auf der anderen Seite des Friedhofs. Zusammen fahren wir dann zu Liebherr. Der Kran ist schnell gefunden, Kennzeichen montiert und schon kann es losgehen.
Es ist ein LTM 1120-4.2. Er kann max. 120 Tonnen heben und hat einen 66 m langen Ausleger.

Mit 48 Tonnen ist er ein bisschen zu schwer und mit 2,75 m ein bisschen zu breit. Daher muss er auf seiner 550 km langen Reise durch Deutschland begleitet werden. Ziel ist Rotterdam und dann England.

Obwohl der Kran eigentlich mit 85 km/h angegeben ist, riegelt er bereits bei 70 km/h ab. Also fahren wir relativ gemütlich. Als Fahrbare Arbeitsmaschine unterliegt er auch nicht den Fahrzeit-Regelungen für LKW-Fahrer. Wir fahren jeweils zwei Stunden und machen dann 20 Minuten Pause. Mir gefällt das besser als die üblichen 4,5 Stunden Lenkzeit und dann 45 Minuten Pause.

Zum ersten Mal fahre ich mit elektronischem Beifahrer. Die App ERNA sagt mir während der Fahrt die nach der Genehmigung durchzuführenden Auflagen an. Das ist sehr praktisch. Wenn auch mein angezeigtes LKW-Überholverbot auf Brücken kaum jemanden interessiert.

Freitag bekomme ich in der Firma hinten neue Bremsen, da der Sattel links fest sitzt. Im Anschluss kärchere ich dort mein Fahrzeug zum ersten Mal ab.

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